Gabriele Haring
 

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Gastbeitrag im Buch "Reden halten. Gespräche führen". Erschienen bei WEKA, Dezember 2003

Bildhafte Sprache – Schöpfung und Galerie

Auszug:

Es war bei einem öffentlichen Symposium zum Thema „Lügen“ in Gmunden. Ein kleines, altes Männchen begann vor einem monitär erwählten Auditorium einen Vortrag zu halten. Er lispelte. Niemand wusste so genau, worüber er sprechen würde. Alle wussten, dass diesem Wissenschafter ein ungewöhnlich guter Ruf vorausging, manche, ohne zu wissen, worauf er begründet war. Eine nicht unübliche Vortragssituation also mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Der Redner erfasste die Gegebenheit, wollte gewiss das Beste daraus machen, ließ sich dabei aber ein wenig Zeit. Schon machte Unruhe sich bemerkbar, Beine wurden anders herum überschlagen, kleine Räusperer gemacht, Blicke gewechselt und plötzlich hatte er sie. Die Menschen waren buchstäblich in seinem Bann, hingen fasziniert an seinen Lippen und folgten seinen Ausführungen mucksmäuschenstill. Was war geschehen, wie hatte er das gemacht? Binnen eines Augenblicks? Die Situation war völlig gewandelt, er führte wildfremde und anspruchsvolle Zuhörer sicher und genussvoll auf der Bilderebene in der Kommunikation spazieren. Ich hab es Jahre danach noch im Ohr, er verwendete das Wort „magisch“. Mehrmals. Und ließ es über seine Lippen gleiten wie eine Zauberformel.

Heinz von Foerster, Mitbegründer der Kybernethik und überzeugter Konstruktivist, schwärmte vor einer durchaus kritischen Zuhörerschaft von der Faszination seines ersten Zauberkastens als Bub! Wir Zuhörer standen quasi mit ihm vor dem Schaufenster, drückten uns die Nase platt, malten uns mit ihm die Kunststücke aus, die man aus dem Kasten heraus unternehmen würde, um zu verblüffen und zum Staunen zu bringen. Die Welt der Magie, die Kunst des Zauberns war der rote Faden, an dem er Geist und Herz seiner Zuhörer in die fundierte Beschäftigung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen führte.

Es war ein brillanter, witziger und reichhaltiger Vortrag eines Menschen, der viel erlebt hatte, viel erforscht und viel durchdacht, eine erquickliche Anzahl guter Gespräche geführt und vor allem gelernt hatte, wie er mit der Welt seinen Frieden machen konnte. Das sind jetzt bitte keine persönlichen Annahmen seitens der Autorin, er sprach darüber zu uns sehr bilderreich, mit viel Humor über sich selbst und die Art seiner Irrwege und Erkenntnisgewinnung über physikalische Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhänge und die Wirklichkeitsperzeption der Artgenossen. Ich weiß sogar noch, dass ihm in der Haushaltsführung mit seiner Frau immer das Brotschneiden oblag, nicht nur das, aber das Brotschneiden immer!

A) Die Vortragsvorbereitung

Die Vielfalt der möglichen Kommunikationssituationen anzuführen, in der das Verwenden einer bildhaften Sprache sinnvoll und zielführend ist, sprengte den Rahmen eines Beitrages in diesem Buch. Auf das Einverständnis des geschätzten Lesers bauend, konzentriere ich mich auf die Beleuchtung einer Kommunikationssituation, die in ihren hohen formalen, inhaltlichen und rhetorischen Qualitätskriterien viele andere gewissermaßen „abdeckt“: Auf das Halten eines Vortrages. Deswegen, und um Sie ein wenig auf den Geschmack zu bringen, die kleine Vorgeschichte.

a) Anlass/Impuls

Nehmen wir für Sie eine ähnliche Situation an:
Sie sind von einem bedeutenden Gremium zur Teilnahme an den diesjährigen öffentlichen Gesprächstagen eingeladen worden. Man erwartet von Ihnen einen seriösen, informativen, dennoch unterhaltsamen Vortrag über die bemerkenswerten Forschungsergebnisse Ihrer Abteilung oder Ihres Institutes. Das Publikum besteht aus Vertretern eigener und verwandter Fachbereiche, Studenten, Laien und Pressevertretern.

Sie bereiten Ihren Vortrag vor. Sie sammeln die Fakten, stellen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sachbereichen her und bringen sie in einen strukturierten schriftlichen Duktus. Sie lesen Ihre Aufzeichnungen durch und befinden Ihre Arbeit für gut: es ist Ihnen gelungen, das Thema in seiner vielfältigen Komplexität mit einem gewissen Esprit darzustellen.

WARUM findet der Vortrag statt?

Sie lesen abermals, nun laut, und bemerken: Zu viele Schachtelsätze, deren Sinn über die Zeilen verloren geht. Wortgruppen, die schwer über die Lippen kommen. Die Untergliederung der einzelnen Kapitel verliert mündlich den übersichtlichen Charakter und auch die Zahlen und termini technici erzeugen einen hörbaren Dschungel. Sie seufzen. Besser jetzt als nach dem Vortrag.

Gute Rednerqualität verlangt die Fähigkeit, die aus reicher Sachkenntnis, einer Liebe zur Schlichtheit und Übung, Übung, Übung im freien Sprechen erwächst. Übung, die sich belohnt macht, denn schließlich zählt, ob Ihr Vortrag angenommen und verstanden wird. Darüber hinaus, ob er lebendig ist, in Erinnerung bleibt und zu Ihrem Image Wertvolles beiträgt. Darum findet ein Vortrag statt! [...]

Den ganzen Artikel finden Sie im oben angeführten Werk "REDEN HALTEN - GESPRÄCHE FÜHREN. Erfolgreiche Musterreden und perfekte Gesprächsvorlagen für Führungskräfte", www.weka.at >


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